Christoph 17 absolviert seinen 50.000. Einsatz

Veröffentlicht am 14.03.2017
(Bild: Rainer Bumann) Bild von links: Dr. Nico Felder, Christian Lacher, Thomas Kern, Robert Reichart

Der Piepser ertönt im Hangar des Rettungshubschraubers Christoph 17 in Durach. Der 50.000. Einsatz seit Indienststellung im September 1980.

 

Einsatzpilot Polizeihauptkommissar Thomas Kern, Notarzt Nico Felder und Rettungsassistent Robert Reichart eilen zur Maschine. Ihre Einsatzmeldung. Hilferuf aus dem Bereich Siplingerkopf im Gunzesrieder Tal. 2 Minuten nach dem Alarm hebt die Maschine vom Typ Eurocopter H 135  in Richtung Süden ab.

 

Was war passiert. Ein Einheimischer begeisterter und erfahrener Bergwanderer nutzt den sonnigen Nachmittag um mit seinem Hund den Siplingerkopf im Gunzesrieder Tal, ein Teilstück der Nagelfluhkette, zu besteigen.  Aufgrund von Neuschnee kommt der Wanderer beim Abstieg vom richtigen  Weg ab.  Der Abstieg wird immer steiler. Der Hund bleibt stehen, er traut sich nicht mehr weiter. Ein Aufstieg erscheint zu gefährlich, der weitere Weg ins Tal als die sichere Variante. Dann passiert es, der Wanderer gerät ins Rutschen. Nach ca. 70 Meter kommt er Gott sei Dank zum Liegen. Ein paar Meter weiter und ein Absturz über ein noch viel steileres Gelände wäre nicht mehr zu vermeiden gewesen. Multiple Prellungen und Schürfwunden sind die Folge. Bis dahin alles relativ gut gegangen. Der Verunfallte ruft seinen Hund zu sich, der auf allen Vieren den steilen Abhang herunterrutscht und sich ängstlich an sein Herrchen drückt Ein Blick auf das Handy zeigt, er hat Empfang und setzt einen Notruf über die 112 ab.

 

Der Verunfallte trägt eine knallgelbe Winterjacke und hofft, dadurch aus der Luft besser gesehen zu werden. Die Maschine kreist wenige Minuten nach dem Start über der vermuteten Unfallstelle, kann den Mann in dem zerklüfteten Gelände aber nicht sofort entdecken. Die neue Technik macht es möglich. Der Mann lotst die Maschine über die telefonische Verbindung mit der Integrierten Leitstelle zu seiner Position. Der erfahrene Einsatzpilot sieht sofort, es wird eine anspruchsvolle Rettung, die den Einsatz des Rettungstaus notwendig macht. Er landet die Maschine im Tal. Die Besatzung bereitet sich auf die Taubergung vor. Nicht benötigte Ausrüstungsgegenstände werden ausgeladen, um das Gewicht der Maschine auf ein Minimum zu reduzieren. Die benötigte Seillänge wird auf rund 40 Meter geschätzt. Nach Aussagen des Verunfallten ist der Einsatz des Notarztes nicht erforderlich.

 

Die Maschine startet mit 2 Bergwachmännern, die oberhalb des Unfallortes abgesetzt werden, um sich zu dem Verletzten abzuseilen. Die Zeit, bis die Bergretter beim Verletzten eintreffen, nützt der Pilot, um die Maschine am Klinikum in Immenstadt zu betanken.  

 

Erneut startet die Maschine Richtung Einsatzstelle. Dort geht der Pilot in den Schwebeflug und nimmt einen Bergretter, den Verletzten sowie seinen Hund mit dem Rettungstau auf und setzt sie sicher im Tal neben dem Bergwacht-Einsatzfahrzeug ab. Notarzt Dr. Felder nimmt den offensichtlich Leichtverletzten in Augenschein. Im Einsatzfahrzeug kann sich der Gerettete aufwärmen. Mit einem erneuten Anflug wird der 2. Bergretter ebenfalls per Tau von der Einsatzstelle abgeholt.

 

Der Verletzte kommt mit dem Bergwachfahrzeug zur Untersuchung in die Klinik Immenstadt.  Nur Prellungen und Schürfwunden, Glück gehabt.

 

Die Maschine wird wieder aufgerüstet und startet einsatzklar Richtung Durach. Der 50.000 Einsatz wurde zum Anlass genommen, dass alle Beteiligte den Einsatz aus ihrer Sicht schildern können.

 

Den Patient, Christian Lacher aus Sonthofen, selbst Rettungssanitäter beeindruckte die ruhige professionelle Hilfe aller Einsatzkräfte, kein Vorwurf – „wie kann man nur…“ Er macht sich selber Vorwürfe. „Ich habe eine komplette Ausrüstung vom Seil bis zum Steigeisen, aber leider zu Hause. Das brauche ich bei der leichten Tour nicht.“ Sein Resümee ist möglichst gut sichtbare Kleidung zu tragen, sowie unbedingt wärmende Sachen wie Mütze, Handschuhe und zur Isolation vielleicht eine Rettungsdecke mitzuführen. Auch im Sommer kann es durch einen Wettersturz  schnell sehr kalt in den Bergen werden. Ganz wichtig, ein funktionierendes Mobiltelefon und zuhause Bescheid zu sagen, wo man hingeht. Es hat sich wieder bewiesen, alpines Gelände erfordert einen gewissen Respekt. „Ich hatte ein riesen Glück – Gott sein Dank habe ich auf mein Bauchgefühl gehört und bin stehen geblieben und hab Hilfe geholt“. „Wichtig ist es, dass man sich möglichst bald bemerkbar macht. Hier hilft unter Umständen eine gute Lampe z.B. eine Stirnlampe, die auch tagsüber gesehen werden kann“.

 

Pilot, Notarzt und Rettungsassistent waren sich einig. Die regelmäßigen Trainings mit dem Rettungstau sorgen für Sicherheit bei den schwierigen Einsätzen in den Bergen.

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